"In historischer Perspektive erscheint die psychiatrische Elektroenzephalographie als hoffnungsvoll begonnenes, dann aber frühzeitig steckengebliebenes Werk". So steht es im Vorwort zu der 1994 bei G. Fischer(Jena) – dem "Hausverlag" des Entdeckers des menschlichen EEG - des Psychiaters Hans Berger, erschienenen Monographie "Psychiatrische Elektroenzephalographie" von G. Ulrich, Berlin.
Der Buchtitel war bewusst provokatorisch gewählt, galt das EEG seinerzeit doch unwidersprochen als ein neurologisches, speziell epileptologisches Untersuchungsinstrument. Für den Psychiater, der seine Patienten zum "EEG" schickt(e), bedeutet die Registrierung der hirnlektrischen Potential-
schwankungen - damals wie heute - lediglich "neurologische Ausschlußdiagnostik". Inzwischen ist aufgrund der Dominanz der beim Radiologen angesiedelten "Bildgebung" ein weiterer Bedeutungverlust des EEG – nunmehr auch die Neurologie betreffend – festzustellen.
Dass das Erkenntnispotential des EEG speziell für die Psychiatrie bisher nicht einmal ansatzweise zur Entfaltung gebracht werden konnte, liegt nicht an der Unergiebigkeit der Methode sondern an einer weithin fehlenden theoretischen Fundierung. Um dies zu demonstrieren bedarf es einer Wiederanknüpfung an das Bergersche Konzept einer psychophysiologisch orientierten Psychiatrie, einer retrospektiven Orientierung über die wesentlichsten seither auf diesem Gebiet gewonnenen Einsichten" sowie der Einbeziehung der heute verfügbaren modernen Digitaltechnologie. Um dafür einen Buchverlag zu interessieren kam der 2002 in Englischer Sprache fertig gestellten Entwurf allerdings zu spät – oder vielleicht besser gesagt zu früh.